Stadtsoziologie

Neue Veröffentlichung: Künstliche Intelligenz in Mittelstädten

Künstliche Intelligenz in Mittelstädten - mittendrin oder außen vor?

Das Fachgebiet Stadtsoziologie,das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI GmbH) und das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) hatten von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz eine Förderung erhalten, um eine gutachterliche Stellungnahme zur digitalen Transformation in den Städten und Gemeinden von Rheinland-Pfalz anzufertigen und dabei das 100-jährige Jubiläum des Landes zu fokussieren (4/2018-3/2019). Nun ist die Veröffentlichung Künstliche Intelligenz in Mittelstädten - Mittendrin oder außen vor? erschienen.

LAG-Arbeitsgruppe „Digitalisierung in ländlichen und verdichteten Räumen“

Die Breitbandversorgung ist zu einem zentralen Faktor für regionale Arbeitsmärkte, neue Dienstleistungen, mehr Komfort und Vielfalt bei der Nutzung von Medieninhalten ebenso wie für den Zugang zu diesen Informationen geworden. Die Bedeutung des Internets für die Stabilisierung der Bevölkerung in ländlichen Räumen, die im letzten Jahrzehnt häufig durch Abwanderung und Alterung gekennzeichnet waren, ist unbestritten, aber noch existieren deutliche Unterschiede beim Zugang zum leistungsstarken Internet. Vor allem ländliche Räume sind beim privatwirtschaftlich organisierten Ausbau bislang unterversorgt (Topographie, Distanzen, Anschlussraten). Die Breitbandstrategien der Bundesregierung und verschiedener Länder versuchen durch finanzielle Förderungen und Beratungsleistungen Abhilfe zu schaffen, doch der Grad der Versorgung hängt neben den Kosten und technischen Fragen auch von den Anstrengungen der Akteure vor Ort ab.

In der Informations- und Wissensgesellschaft entscheidet nicht nur die physische Erreichbarkeit, sondern auch der Zugang zum leistungsfähigen Internet, inwieweit Peripherisierung, also ein Abhängen von gesellschaftlichen Prozessen, beobachtet wird. Der ökonomische und demographische Wandel führt in der Regel zu einer Stärkung von Städten (Einwanderung, Arbeitsplatzansiedlung, Infrastrukturen, kulturelle Dichte), so dass sich die Frage stellt, ob eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur Nachteile abgelegener Räume ausgleichen kann. Die ubiquitäre Verfügung des Internets birgt theoretisch die Möglichkeit zur Loslösung von konkreten Räumen (flexibleres Arbeiten, globale Kontakte, Teilhabe an kulturellen Events), bisher hat das Internet jedoch eher, regionale und soziale Ungleichheiten verstärkt, indem sich wissensbasierte Ökonomien beispielsweise eher in Städten als auf dem Land ansiedeln.

Ländliche und verdichtete Räume sind demnach von den Digitalisierungsprozessen in unterschiedlicher Form betroffen. Ziel der AG ist es, in transdisziplinärer Weise und in verschiedenen Handlungsfeldern aktuelle Entwicklungen im LAG-Gebiet aufzuzeigen, ihre Wirkungen perspektivisch abzuschätzen und auf konkrete Planungserfordernisse hin zu überprüfen.

Folgende Fragen sollen beantwortet werden:

  • Welche Bedeutung kommt der Digitalisierung für die Mobilität und Wohnstandortentscheidungen zu?
  • Welche Konsequenzen für die Mobilität ergeben sich aus Netzwerken und neuen Mobilitätsformen (Mitreiseportale; Apps) in den verschiedenen Siedlungsräumen?
  • Welche Folgen für den Arbeitsmarkt sind im LAG-Gebiet abschätzbar?
  • In welcher Form können Dienstleistungen insb. im Bereich der Daseinsvorsorge ersetzt bzw. modifiziert werden?
  • Von welchen guten Beispielen (aus anderen LAGs und internationale) für Innovationen im Bereich Digitalisierung können wir lernen?
  • Welche Aufgaben kommen auf die planenden Akteure zu und sind sie ihnen gewachsen?
  • Reichen die planerischen Instrumente und die Kompetenzen von Planern und Planerinnen, um die Entwicklungen zu verstehen, zu begleiten und zu steuern?
  • Welche neuen Akteurskonstellationen entstehen, um die räumliche Entwicklung zu steuern?
  • Welche neuen Einrichtungen müssen auf welcher räumlichen Ebene geschaffen werden, um Informationen zu bündeln und zu streuen, ethische und datenschutzrechtliche Fragen zu klären, Partizipationsprozesse vorzubereiten oder Schulungen zu organisieren?
  • Welche Herausforderungen stellen sich spezifisch in ländlichen Regionen, welche Vorteile und welche Risiken beinhaltet die Digitalisierung für ländliche Räume?
  • In wieweit tragen unzureichende oder fehlende technische Infrastrukturen zur Auseinanderentwicklung von Regionen im LAG-Gebiet bei?

Ziele und geplante Ergebnisse

Outputorientiert wird – in Abstimmung mit den Mitgliedern der AG – ein gemeinsamer Sachstandsbericht sowie ein Positionspapier mit Handlungsempfehlungen für die verschiedenen lokalen und regionalen Akteure angestrebt. Die AG-Mitglieder sollen ihre persönlichen Schwerpunkte in den Artikeln bearbeiten können, wobei gleichzeitig gemeinsame Überlegungen und damit gemeinsame Artikel angestrebt werden, um den Austausch in den AG-Sitzungen auch in Schriftform zu dokumentieren.

 

Die Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) versteht sich als ein interdisziplinäres Forum für Wissenschaft und Praxis, in dem raum- und planungsbezogenes Wissen im Dialog generiert, reflektiert und vermittelt wird. Sie erforscht Räume als Bedingung und Ausdruck gesellschaftlicher Praxis. Organisiert ist die ARL als Netzwerk von Fachleuten für Fragen der Raumentwicklung.

Mittelstädte stehen nur selten im Fokus beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Dies ist das zentrale Ergebnis der Studie aus dem Jahr 2020. Das Ziel bestand darin, Hemmnisse der digitalen Transformation in Politik und Verwaltung zu identifizieren, technologische Varianten zu untersuchen und gute Beispiele aus Mittelstädten vorzustellen. Autor*innen des Fachgebiets Stadtsoziologie der TU Kaiserslautern, des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und des Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) stellen in der Studie Interviews mit Vertreter*innen aus Kommunen und Anbieter*innn von KI-Verwaltungsdienstleistungen. Die Studie wurde von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz gefördert und hat folgende Fragen beantwortet:

  • Welche Kompetenzen und Stellen sind in den Rathäusern von Mittelstädten verfügbar, um die digitale Transformation zu gestalten? Wie sind die Prozesse gestaltet? Wie sehen Personalstrategien für die Digitalisierung der Verwaltung aus?
  • Gibt es nationale und internationale kreative Beispiele von KI-Nutzungsmöglichkeiten und Vorgehensweisen?
  • Gibt es Unterschiede in der Nachfrage nach bestimmten Diensten, Beratungen, Kompetenzen, Infrastrukturen zwischen Großstädten und Mittelstädten, insbesondere kleinen Mittelstädten?
  • Kann das Land eine relevante Rolle zur Unterstützung von Städten und Gemeinden einnehmen (zum Beispiel, wenn die vom Bund angekündigte Unterstützung zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes ausbleibt)?

Mittelstädte sind neben den Kleinstädten die typischen Städte des bundesdeutschen Siedlungssystems. Es gibt dabei lediglich eine quantitative Bestimmung von Mittelstädten, die eine Spanne von 20.000 bis 100.000 Einwohner umfasst. Ein Drittel der deutschen Bevölkerung lebt in Mittelstädten, in Rheinland-Pfalz sind es rund 720.000 Personen.

 

Künstliche Intelligenz in Mittelstädten - Mittendrin oder außen vor? kann unter https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:386-kluedo-63938 heruntergeladen werden.

Laufzeit: 01/2020-03/2021

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